Jagd ist Passion. Wir jagen aus Leidenschaft, das Ergebnis unserer Bemühungen ist unter anderem gesundes Wildbret für die Küche. Der Weg bis dahin ist vor allem aber zeit- und kostenintensiv. Im Zuge der drohenden ASP wurden ja viele Forderungen an die Jägerschaft und im Gegenzug dafür Erleichterungen in Aussicht gestellt. Über den diesbezüglichen Sachstand kann sich der geneigte Leser in meinen vorigen Beiträgen informieren.

In vielen Gesprächen unter Jägern hört man immer wieder den Satz: „Da leg‘ ich mittlerweile jedem geschossenen Stück Wild noch Geld dazu“…

Ich möchte einmal anhand meiner tatsächlichen Zahlen die mir entstehenden Kosten auflisten. Dabei bleiben alle Anschaffungen wie Jagdausrüstung und Reviereinrichtungen sowie die Jagdpacht unberücksichtigt. Ebenso unberücksichtigt sollen die Zeiten für vorbereitende Arbeiten, für Ansitz und Wildbretverarbeitung bleiben. Auch die Kosten, die eine Wildkammer bis zur Zertifizierung verursacht, sollen unberücksichtigt bleiben. Ich führe nur die Kosten auf, die ich aus meinem Geldbeutel begleichen muss, bis das fertige Wildbret meine Wildkammer verlässt.

Die Eckdaten:

  • Mein Revier umfasst 340 ha mit 40 ha Wald und 300 ha Ackerland und Grünland.
  • RoBa (früher Abschussplan) beinhaltet 20 Rehe, Wildschweine ohne Plan.
  • Ich hab eine Fahrtstrecke von 10 km ins Revier, hin und zurück also 20 km.
  • Der Liter Diesel wird mit 1,30 € gerechnet.
  • Die Kilowattstunde wird mit 20 Cent gerechnet.

Die Kosten für die Rehwildbejagung:

  • Hier nehme ich den (unwahrscheinlichsten) Fall an, dass ich für 20 Rehe nur 40 mal ins Revier fahre.
    40×20 km (Hin und Rückfahrt) macht 800 km: Benzinkosten für 80 Liter Diesel ca. 105 €.
  • Die Entsorgung von Aufbruch, Decke und Zerwirkresten im Revier bei 20 Rehen:
    20 Fahrten, also 20×20 km, 400 km: Benzinkosten für 40 Liter Diesel ca. 50 €.

Die Kosten für die Schwarzwildbejagung:

  • Bei etwa 20 Wildsauen pro Jahr muss ich mindestens 100 Ansitze rechnen, dafür rechne ich hier keine Fahrten für vorbereitende Arbeiten wie Kirren und Vergrämen mit hinzu.
    100×20 km (Hin und Rückfahrt) macht 2000 km: Benzinkosten für 200 Liter Diesel ca. 260 €.
  • Die Fahrtstrecke zur nächstgelegenen Trichinenuntersuchungsstelle beträgt 28 km hin und zurück. Trichinenproben sind seit 2019 kostenfrei.
    20×28 km (Hin und Rückfahrt) macht 560 km: Benzinkosten für 56 Liter Diesel ca. 74 €.
  • Die Entsorgung von Aufbruch, Schwarte und Zerwirkresten in der Verwahrstelle bei 20 Sauen ergeben 20 Fahrten.
    20×34 km, 680 km: Benzinkosten für 70 Liter Diesel ca. 90 €.

Die Kosten für die Wildkühlung bei 40 Stück Wild und einer Hängezeit von 3 Tagen:
120 Tage á 24 Stunden mit 1,24 kWh: etwa 150 kWh: ca. 30 €.

Die Kosten für die Wildlagerung in einer Tiefkühltruhe betragen pro Jahr: ca. 70 €.
Weitere Stromkosten, die in der Wildkammer entstehen – etwa Licht, Fleischwolf etc. –  sollen unberücksichtigt bleiben.

Entstehende Kosten:

Pro Jahr mindestens 680 €, das bedeutet 17 € Kosten pro erlegtem Stück Wild.

In meinem Revier fallen im 3-Jahres-Schnitt (abhängig davon, wo welche Frucht angebaut wird) etwa 500 € Wildschaden pro Jahr an.

 Es würde mich also billiger kommen – von der eingesetzten Zeit mal ganz abgesehen – die Schwarzwildbejagung und Vergrämung einzustellen.
Meine jährlichen Kosten würden in diesem Falle 240 € betragen, also 12 € pro erlegtem Stück Wild.

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